In dieser Dunkelheit jedoch erscheint ein Licht, das die Dunkelheit „nicht erfasst hat“ (Johannes 1,5); auf das wir sehnsuchtsvoll warten (adventus). Mit unserem Kalender möchten wir dieses Licht - täglich entzündet als kleines und noch schwach scheinendes Adventslicht - sichtbar machen. Schauen Sie doch täglich bei uns rein und öffnen Sie Tag für Tag ein neues Türchen.
Wir wünschen allen Mitgliedern von Iray Aina und KAB eine frohe und gelingende Adventszeit.
Nous souhaitons à tous les membres d’Iray Aina et du KAB une période de l’Avent heureuse et réussie.
In den frühen Morgenstunden, wenn die Sonne wie ein glühender Rubin am Horizont in Madagaskar aufsteigt und der Duft von Nelken und feuchter Erde durch das Dorf zieht, beginnt heute für die kleine Miora der schönste Tag der Adventszeit. Ihr Dorf liegt am Rand des letzten Restes eines Regenwaldes – ein Ort voller Farben und Leben, aber auch voller täglicher Mühen und Mythen.
Die Dächer der Stelzenhäuser sind dünn und vom letzten Zyklon beschädigt, und viele Familien wissen nicht, ob die Vorräte bis zur nächsten Ernte reichen werden. Mioras Eltern arbeiten hart: ihre Mutter auf dem kleinen Manniok-Feld, wo die Erde oft zu trocken oder plötzlich zu nass ist; ihr Vater als Fischer, der manchmal tagelang mit leeren Netzen zurückkehrt, weil internationale Trawler das Meer leerfischen. Doch trotz all dieser Schwierigkeiten bewahrt das Dorf seinen Glauben an das Licht des Advents – ein kleines Fest zwischen all dem, was fehlt.
An diesem Morgen erhält Miora eine besondere Aufgabe: Sie soll mit ihrem besten Freund, dem quirlig schnellen 🐒 Lemur Tovo, das seltene Windröschen finden. Man glaubt, es bringt Hoffnung für das kommende Jahr, und die Menschen sehnen sich danach. Viele der Kinder haben seit Monaten keine neuen Schuhe, das Essen reicht nicht aus für alle, und Wasser muss täglich mühsam vom entfernten Brunnen geholt werden. Die Blüte ist ein sternförmiges Symbol, das in diesen Zeiten mehr bedeutet als ein Schmuckstück – sie ist ein Versprechen.

Miora und Tovo machen sich auf den Weg in den Wald. Der Boden ist weich vom letzten Regen, und die Bäume rauschen, als würden sie Geschichten flüstern. Die tiefen Rufe der Indri-Lemuren hallen wie ferne Gespräche mit den Verstorbenen durch die Luft. Miora liebt diesen Klang – er erinnert an die Schönheit der Natur.
Tovo hüpft von Ast zu Ast, doch außer einer Handvoll Beeren und einer müden Schildkröte finden sie nichts. Miora denkt an die Menschen im Dorf, die hoffen, dass das neue Jahr leichter wird – weniger Stürme, mehr Ernten, vielleicht sogar genug zum Essen oder etwas Geld, um das Schulhaus zu reparieren.
Gerade als Miora schon erschöpft ist, bricht das Morgenlicht durch die Baumkronen. Ein Windstoß hebt die breiten Blätter einer alten Madagaskarpalme – und darunter steht es: das Windröschen, zart, weiß und mit goldenen Spitzen, die im ersten Sonnenstrahl glühen wie Kerzenlicht.
„Sie hat auf uns gewartet“, flüstert Miora.
Behutsam nimmt sie die Blüte und eilt zurück ins Dorf. Dort sind die Menschen bereits versammelt. Trotz der Armut haben sie bunte Laternen aus alten Gläsern gebastelt und Plätzchen aus Kokosmilch und ein wenig Zucker zubereitet. Es ist nicht viel, aber es ist genug, um gemeinsam zu feiern.
Als Miora die Blüte auf den Dorfplatz legt, wird es still. Die Großmutter tritt vor, legt den Arm um Miora und sagt:
„Der Advent bringt uns Licht!“
Und so beginnt die adventliche Feier der kleinen Dorfgemeinschaft: mit Trommeln, Lachen, funkelnden Laternen und mit der wie ein Stern scheinenden Blüte, die das ganze Dorf für einen Abend in warmes, friedliches Licht taucht.
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* Bei dieser Geschichte geht es um die 🌸 "Catharanthus roseus“ (lateinischer Name), eine madagassische rot oder weiß sternförmig blühenden Pflanze. Der gebräuchliche deutsche Trivialnamen lautet: Madagaskar-Windröschen
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