Deutschlands Investitionen in Entwicklung sinken weiter

Studie zu ODA-Zahlen

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Datum:
Di. 31. März 2026
Von:
Andris Gulbins

Deutschlands Investitionen in Entwicklung sinken weit unter Zielmarke von 0,7 Prozent

Am heutigen Dienstag veröffentlicht VENRO, der Dachverband der Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe, eine neue Studie zur Entwicklung der deutschen ODA-Zahlen (Official Development Assistance).

Diese geben an, wie viel Deutschland in entwicklungsfördernde Zwecke weltweit investiert. Kurz vor Publikation der offiziellen ODA-Zahlen 2025 durch die OECD zeigt die Studie: Deutschlands ODA-Quote ist massiv eingebrochen und sinkt weit unter die internationale Verpflichtung von mindestens 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE). In den kommenden Jahren dürfte sich diese Entwicklung weiter verstärken.

„Unsere Studie belegt deutlich, dass sich der negative Trend bei den deutschen Investitionen in globale Entwicklung fortsetzt“, konstatiert Michael Herbst, VENRO-Vorstandsmitglied und Experte für Haushaltsfragen. „Für 2025 prognostizieren wir einen Rückgang der ODA-Quote auf unter 0,5 Prozent des Bruttonationalprodukts. Damit hätte sich Deutschlands Beitrag seit 2023 um beinahe 45 Prozent reduziert. Das ist ein katastrophales Signal.“

Die Studie zeigt zudem zwei weitere sehr problematische Entwicklungen: 

Zum einen setzt sich der Trend fort, Ausgaben ohne entwicklungspolitischen oder humanitären Nutzen in die ODA-Quote einzurechnen und sie damit massiv zu schönen. So machen Ausgaben im Inland, z.B. für die Versorgung Studierender aus dem Globalen Süden oder von Geflüchteten, rund 40 Prozent der deutschen ODA-Mittel aus. Deutschland ist dadurch der mit weitem Abstand größte Empfänger seiner eigenen Entwicklungsfinanzierung. „ODA-Mittel sollen entwicklungsfördernd wirken. Dass immer mehr Inlandsausgaben eingerechnet werden, führt diesen Gedanken ad absurdum“, so Michael Herbst. „Nach außen sehen die Zahlen dann nur noch halb so miserabel aus wie sie wirklich sind. Die Zeche zahlen all jene Menschen weltweit, denen die Mittel eigentlich zugutekommen sollten.“ 

Parallel werden die Etats für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe im Bundeshaushalt gekürzt. Dadurch wächst die Schere zwischen kommunizierten Ausgaben für Entwicklung und den tatsächlichen Aufwendungen immer weiter. In den nächsten Jahren könnte Deutschland die Zielmarke einer bereinigten ODA-Quote von 0,7 Prozent um 17 bis 20 Milliarden Euro jährlich unterlaufen. 

Zum anderen ist die ODA weiterhin das wichtigste Instrument externer Finanzierung für die ökonomisch schwächsten Länder der Welt (Least Developed Countries, LDCs). Dort leben besonders viele Menschen in Armut und privatwirtschaftliche Investitionen gibt es kaum. Mindestens 0,15 bis 0,2 Prozent des BNE sollen speziell in diese Staaten fließen. Auch diese Zielmarke reißt Deutschland regelmäßig. 2024 lag sie laut vorläufigen OECD-Zahlen bei nur 0,08 Prozent, wie die Untersuchung zeigt. Wie groß der Bedarf für Entwicklungsfinanzierung ist, zeigen die aktuellsten Zahlen: 273 Millionen Kinder und Jugendliche weltweit haben laut UNESCO aktuell keinen Zugang zu Bildung, im Jahr 2024 litten zwischen 638 und 720 Millionen Menschen laut UN/FAO weltweit an Hunger.