Ein Interview: Corona in Madagaskar

Die
Die "tsena mora" in der Hauptstadt
Datum:
Di 14. Apr 2020
Von:
Andris Gulbins und Pierrot JEAN

In einem virtuellen Interview werfen der Arbeitskreis Madagaskar der KAB Aachen und die Iray Aina aus Madagaskar einen gemeinsamen Blick auf die aktuelle Corona-Situation in Madagaskar.

 

Ein Auszug aus dem Interview

Claudette von Iray Aina näht privat Masken und verteilt sie an Arme (c) Iray Aina
Claudette von Iray Aina näht privat Masken und verteilt sie an Arme

Pierrot JEAN: Es sind Tagelöhner und Menschen im informellen Sektor, zu denen Straßenverkäufer*innen, Wäscherinnen, Taxi- und Lastenfahrer ebenso gehören, wie die alleinerziehende Mutter mit ihrer Garküche, der/die Friseurin, die am Straßenrand ihre Kund*innen bedienen oder die Verkäufer*innen traditioneller Kleidung, von Schmuck und Kunsthandwerk, die dringend auf Touristen angewiesen sind. Von den Menschen lernen wir den einfachen Satz: "Kein Tagesverdienst, kein Abendessen." Ein einfacher Satz, der seine absolute Gültigkeit auch für Kinder (!) hat. Seife und Schutzmasken sind für Menschen, deren Tageseinkommen gerade einmal für die tägliche Portion Reis ausreicht, unbezahlbare Luxusgüter.

Andris Gulbins: Auf Bildern von der Hauptstadt ist zu sehen, dass nur eine geringe Anzahl von Menschen solche Schutzmasken trägt. Und es ist nicht zum Schmunzeln: die Polizei, die die Hygienevorgaben durchsetzen soll, trägt selber keine Masken.

Um noch einmal auf die Seife zurück zu kommen: In den Slums bzw. Armenvierteln der Hauptstadt fehlt es an Wasser, um sich regelmäßig zu waschen. Und beim Gedränge an den Tankwagen für trinkbares Wasser und auf den <Tsena Mora>> stoßen die bei uns so beliebten Aufrufe für ein Daheimbleiben oder das Social Distancing nur auf taube Ohren.