Erklärung der Kommission Gerechtigkeit und Frieden

Ein dringender Aufruf zur Neugestaltung der Republik

März 2026: Die Proteste keimen wieder auf (c) MidiGulbins
März 2026: Die Proteste keimen wieder auf
Datum:
Di. 28. Apr. 2026
Von:
Andris Gulbins

Es war eine glückliche Fügung, Erzbischof Benjamin Marc RAMAROSON, Präsident der benannten bischöflichen Kommission in Deutschland treffen zu können. Im Gespräch spielte auch die jüngste Botschaft der Kommission eine große Rolle.

Kommission Justicia et pax

Motiv und Grundanliegen der Botschaft ist, die Lebenssituation im Land aus kirchlicher Perspektive zu kommentieren und auf zentrale gesellschaftliche Herausforderungen aufmerksam zu machen.

📌Analyse der aktuellen Lage in Madagaskar: Die Bischöfliche Kommission „Justice et Paix“ benennt die großen Erwartungen der Bevölkerung nach den Protestbewegungen und dem Regierungswechsel, aber auch die Enttäuschung über anhaltende Probleme wie Unsicherheit, Korruption, hohe Lebenshaltungskosten und Krise im Bildungswesen.

📌 Aufruf zur "Refondation de la République": Vor dem Hintergrund dieser Lage ruft die Kirche zu einer inklusiven nationalen Konsultation aller Teile der Gesellschaft auf – von der dörflichen Gemeinschaft bis zur politischen Spitze –, um die Grundlagen des Landes neu zu gestalten („Neugestaltung der Republik“). Dies soll durch Transparenz, Gerechtigkeit und echte Beteiligung erreicht werden.

📌Warnung vor Polarisierung und Gewalt: Ein weiteres Motiv ist, die Gesellschaft vor inneren Konflikten zu bewahren: Die Kirche mahnt Vorsicht gegenüber Manipulationen, politischer Propaganda und der Instrumentalisierung von Gewalt an. Sie betont, dass das wahre Problem – „das Böse“ – bekämpft werden muss und nicht die Mitbürger selbst.

📌Ermahnung an Führungspersonen und Bürger: Die Erklärung richtet konkrete Appelle an verschiedene Gruppen:

  • Staatsverantwortliche, sie sollten bei der Konsultation Transparenz und Beteiligung garantieren und sich für Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit einsetzen.
  • Christen und alle Bürger, sich aktiv für soziale Werte wie Fihavanana (Gemeinschaftssinn), Solidarität, Gerechtigkeit und Wahrheit einzusetzen

📌Kirchliche Rolle als Begleiter des Landes: Die Bischöfliche Kommission betont, dass sie sich an die Seite der Nation stellt, um eine Gesellschaft zu fördern, die auf Frieden, Würde des Menschen, Gerechtigkeit und Gleichheit basiert – in Anlehnung an die Soziallehre der Kirche und jüngste päpstliche Botschaften.

Ein Zitat aus der Botschaft:

Es scheint, dass die Regierungsverantwortlichen bestrebt sind, sich für zahlreiche multilaterale Abkommen zu öffnen. Es ist jedoch angebracht, wachsam zu bleiben, um nicht überstürzt Abkommen abzuschließen, die das Land eher versklaven und zerstören könnten, anstatt ihm zu dienen.
Zum Beispiel Abkommen über die Herstellung von Waffen. Gemäß der Lehre von Papst Leo XIV., der an die vorrangige Bedeutung des Friedens erinnert hat, wäre es nicht besser, Ausrüstung herzustellen, die dazu dient, die Landwirtschaft zu verbessern und die Ernährungsunsicherheit zu bekämpfen?