Schützen, nicht vertuschen!

Eine Tagung von Iray Aina

Formation (c) CA / Iray
Formation
Datum:
Mo. 26. Okt. 2026
Von:
Andris Gulbins

Am 20. August 2026 organisierte das Centre Arrupe Madagascar im Rahmen seines Programms für Gesundheit und Familie (PSF) eine Fortbildung für Mitglieder der Bewegung „Iray Aina“, die sich dem Kampf gegen Gewalt und dem Schutz von Kindern und schutzbedürftigen Personen widmete. Das Ziel: das Wissen der Teilnehmer zu vertiefen, um besser zum Schutz von Menschen beitragen zu können, die verschiedenen Formen von Gewalt und Missbrauch ausgesetzt sind.

Phänomene der Vertuschung und des Schweigens

Formation (c) CA / Iray
Formation

Ausgangspunkt der Fortbildung war eine besorgniserregende Bestandsaufnahme der Situation von Kindern und schutzbedürftigen Menschen in der Gesellschaft. Die Teilnehmer wurden dazu angeregt, über die verschiedenen Ausprägungen von Gewalt nachzudenken, sowohl in der Gesellschaft als auch innerhalb der Kirche. Insbesondere wurden Fälle von Gewalt und sexuellem Missbrauch angesprochen, die seit 1985 innerhalb der Kirche heftige Reaktionen ausgelöst haben, ebenso wie die Phänomene der Vertuschung und des Schweigens, die bestimmte Situationen begleiten können. Es wurde daran erinnert, dass der Schutz der Opfer eine kollektive Verantwortung darstellt: Jeder Mensch, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist, verdient denselben Respekt und dieselbe Würde.

Anschließend wurden die Teilnehmer über die verschiedenen Maßnahmen informiert, die die Kirche im Bereich des Kinderschutzes ergriffen hat: das Schreiben der Kongregation für die Glaubenslehre aus dem Jahr 2011 an die Bischofskonferenzen weltweit, die Gründung der Päpstlichen Kommission zum Schutz von Minderjährigen unter Papst Franziskus im Jahr 2014 sowie die Einrichtung von CPO-Teams [ Child Protection Office / Kinderschutzteams] in den Ausbildungsstätten und apostolischen Bereichen der Jesuiten im Jahr 2018.

Eine Untersuchung in Fénérive-Est

Im Rahmen der Fortbildung wurden die verschiedenen Formen von Gewalt – körperliche, sexuelle, psychische und wirtschaftliche – anhand konkreter Situationen definiert: Schläge, Vernachlässigung, Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, Drohungen, Einschüchterung. Zahlenangaben untermauerten diesen Austausch: Mehr als ein Drittel der Frauen gibt an, mindestens eine Form geschlechtsspezifischer Gewalt erlebt zu haben, und 35 % geben an, seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt zu haben. Zudem wurden Zahlen aus den 2024 in Fénérive-Est durchgeführten Untersuchungen vorgestellt: 338 Personen wurden als Opfer von Gewalt identifiziert, darunter 73 % Frauen und 62 % Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, wobei junge Mädchen besonders von sexueller Gewalt betroffen sind.

Die Teilnehmer identifizierten zudem Faktoren, die Gewalt begünstigen: Armut, mangelndes Wissen, Drogenkonsum, Machtmissbrauch und unzureichende Sensibilisierung. Auch die Bedeutung bestimmter kultureller Vorstellungen im Zusammenhang mit dem „Fihavanana“ wurde angesprochen, da die Angst, Beziehungen zu gefährden, oder die Scham für die Familie dazu führen können, dass bestimmte Situationen verschwiegen werden – zum Nachteil der Gerechtigkeit für die Opfer. Schließlich widmete man sich den Begriffen Geschlecht, Gender, Gleichstellung und Gerechtigkeit sowie der Frage, wie die Frauen und Männern zugewiesenen Rollen die Beziehungen und Verantwortlichkeiten beeinflussen.

Die zentrale Botschaft dieser Schulung: Schweigen Sie nicht, wenn Sie Gewalt beobachten. Ein Opfer zu schützen bedeutet, ihm keine Schuldgefühle einzureden, ihm den Zugang zu medizinischer Versorgung und zur Justiz zu erleichtern und festgestellte Fälle zu melden. Gewalt darf niemals als reine Familienangelegenheit betrachtet werden, wenn sie die Würde und die Rechte von Menschen verletzt.

Centre Arrupe Madagascar

https://www.centre-arrupe-madagascar.com